Schau mir in die Augen…

By 3. Juni 2014Termine

Warum scheut das Pferd plötzlich vor einer Pfütze, obwohl das noch nie ein Thema war? Plötzlich bleibt es vor einem Hindernis stehen. Es ist ihn doch schon so oft gesprungen. Ihr Pferd kann auch beim Anblick der, sonst vertrauten, Dual-Gassen einen verwirrten Eindruck machen und kurz zögern. Das Garagentor vom Nachbarn, welches jetzt wirklich bekannt sein müsste, veranlasst es einen riesengroßen Aufstand zu machen.
Bevor Sie ihr Pferd schimpfen, dass es sich nicht so anstellen soll, denken Sie daran es könnte eine andere Ursache haben. Pferdeaugen unterscheiden in vielen Punkten von den menschlichen Augen. So z.B. haben Menschen keine Traubenkörner. Schon mal gehört? Für diejenigen, die noch nie etwas davon gehört haben: hier die Erklärung.

Traubenkörner (Granula iridica ) befinden sich im Pferdeauge am Rande der Pupille. Sie sehen aus wie kleine schwarze Punkte, die sich am oberen und unteren Rand der Pupille befinden.
Bei jedem Pferd sehen Traubenkörner individuell ein kleinwenig anders aus. Es gibt sogar Unterschiede zwischen dem linken und rechten Auge, in deren Anzahl und deren Anordnung.
Sie haben mehrere Funktionen. Eine davon ist, dass sie bei der Produktion von Kammerwasser beteiligt sind. Doch die für Menschen interessante Aufgabe ist, dass sie dem Pferd das Sehen bei grellem Licht leichter machen. Traubenkörner haben eine Art Schutzschildfunktion. Sie verhindern, dass bei grellem Licht zu viele Lichtstrahlen auf die Retina treffen. Besonders wichtig sind sie, wenn die Sonne im Sommer sehr hoch steht oder auch im Winter, die Sonne vom Schnee reflektiert wird.
Das Pferdeauge ist, evolutionstechnisch bedingt, besonders gut auf die Fernsicht angepasst. Nachvollziehbar für ursprüngliche Steppenbewohner. Dabei ist es notwendig auch bei starkem Lichteinfall gut sehen, zu können. Fällt das Licht parallel in das Auge (was für die Fernsicht benötigt wird), wird die Pupille von einem Muskel (M. sphinkter pupillae )zusammengezogen um weniger Licht einzulassen. Dieser Mechanismus wäre alleine zu wenig. Die Traubenkörner begrenzen die Pupillenöffnung zusätzlich.
Traubenkörner können krankhaft verändert sein, etwa vergrößert oder sie lösen sich vom Pupillenrand ab und wandern durch die Pupille. Dieses kann Sehstörungen zur Folge haben, die eventuell nur auffallen, wenn das Licht im falschen Winkel ins Auge trifft. Natürlich können Pferde, auch wenn mit den Traubenkörnern alles in Ordnung ist, geblendet werden. Aber immer daran denken: Es sind Pferde, es sind Fluchttiere … und meistens hat es einen guten Grund, wenn sie erschrecken und „spinnen“ nicht einfach nur, um uns das Leben schwerer zu machen.

Quelle + modifizierte Abbildung: Praxisorientierte :Anatomie und Propädeutik des Pferdes :Wissdorf;Gerhards;Huskamp;Deegen;Kap.3.6.1 Augapfel S.: 142-144

Text /Bild/Idee: Geitner /Schmid

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Michael Geitner

Pferdetrainer
Michael Geitner (geb. 1964), mittlerweile einer bekanntesten und erfolgreichsten Pferdetrainer Deutschlands wuchs auf einer der ersten Western-Ranches in Deutschland auf. Er ist Autor diverser, erfolgreicher Pferdeliteratur und entwickelte mit “Be Strict“, Dual-Aktivierung und Equikinetic pferdegerechte Trainingsarten die dazu beitragen, die Welt der Pferde zu verbessern. 1999 startete er mit „Be Strict! "eines der besten Konzepte im Umgang und der Problemlösung mit Pferden. Michael Geitner konnte mit “Be Strict“ zahllosen Menschen helfen, ihre Pferde besser zu verstehen und den Umgang mit ihnen erleichtern. Die Geschichten seiner berühmte Pony/Zebradame Zesel, die Auflage der Cavallo 2003 wahrscheinlich um einiges steigerte, war nur ein eindrucksvolles Beispiel von der Wirksamkeit dieses Konzeptes. Be Strict war das Konzept das bis heute eine wichtige Basis im Zusammenleben zwischen Mensch und Pferd darstellt. Konsequenz gepaart mit Güte und Kulanz fordert Michael Geitner zur Wahrnehmung des Partner Pferd auf. Leicht verständlich, auf sehr unterhaltsame „ Geitner Art“ erklärt, war und ist „Be strict“ ein Meilenstein der Pferdeerziehung. Ebenfalls ein Ausrufezeichen im Pferdetraining, setzte Michael Geitner 2003 mit der Entwicklung der Dual-Aktivierung. Ein hoch effektives und erfolgreiches Zusatztraining für alle Sparten der Reiterei, um die Balance und die Koordination der Pferde zu fördern. Die Dual-Aktivierung ist weit mehr. Wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse untermauern die Effektivität der Dual-Aktivierung. Da Pferde die Welt weitestgehend in Grauschattierungen sehen, die Farbe Blau und Gelb jedoch wahrgenommen werden, machte Michael Geitner seine „Dualgassen“ in Blau und Gelb. Mittlerweile sind diese Farben zu seinem Markenzeichen geworden. Pferdeexperten aus der ganzen Welt nutzen die Dual-Aktivierung, um im Sport Ausbildung oder Freizeitbereich die Gesundheit und die Leistungen ihrer Pferde zu fördern. Michael Geitner ist Besitzertrainer für Galopprennpferde und erreicht mit ausschließlich „alten“ Pferden erstaunliche Erfolge. Alle Pferde sind heute als Lehrpferde im Einsatz und erfreuen sich bester Gesundheit. 2013 war der Startschuss der Equikinetic. Ein effizientes Muskelaufbauprogramm, das es ermöglicht, das Pferd einfach, aber sinnvoll zu gymnastizieren und effizient Muskulatur aufzubauen. Diese Art des Trainings wird ihren Weg gehen und die Welt von Mensch und Pferd erheblich erleichtern. Mittlerweile konnte Michael Geitner in ca. 450 Lehrgängen mit über 4000 Pferd-Mensch Kombinationen, vielen Pferden und Menschen auf den Weg helfen, eine neue partnerschaftliche Beziehung zu beginnen. Michael Geitner bietet auf seiner Anlage in Rechtmehring die Ausbildung zum Dual-Aktivierungstrainer, sowie die Pferde-Wissen-Kompakt Ausbildung an. Seine Ausbildungen sind praxisnah, verständlich und fundiert und überzeugen Jahr für Jahr sehr viele Menschen, einen neuen Berufsstart mit dieser Ausbildung beginnen.

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