Zack… Und weg! Die „Flight or Fight“ Reaktion

By 3. Juni 2014Termine

Warum reagieren Pferde manchmal nur so überzogen? Beim Ausreiten begegnet Ihnen ein harmloses Reh und was macht Ihr Hotti ? Auf dem Absatz kehrt und rennt erst mal um sein Leben. Natürlich, das Pferd ist ein Fluchttier, also reagiert es auf Gefahr mit Flucht. Aber wegen einem Reh? Ihrem geliebten Pferd ist es in diesem Moment auch egal, ob Sie es sitzenderweise begleiten oder unfreiwilligerweise absteigen und vom Reh wohlmöglich gefressen werden. Nicht weil es Sie nicht mehr lieb hat, sondern weil es eine überlebensnotwendige Strategie verfolgt, welche es ihm ermöglicht hat, über 50 Millionen Jahre zu überleben. Die „Flight or Fight“ Reaktion, also „Flüchten oder Kämpfen“
Ihrem Pferd ist in diesem Moment nämlich nicht klar, dass es sich hier um einen harmlosen Pflanzenfresser handelt, es könnte ja auch ein höchst gefährlicher Puma sein!

Folgendes passiert: Ihr Pferd erblickt das Reh. Dieses Bild wird über die Netzhaut und den Augennerv an einen Teil des Gehirns gesendet, welches eine weiterleitende Funktion hat. Das Corpus geniculatum laterale. Dieses Teil sendet jetzt das Bild vom Reh zum Sehnzentrum, das nun eine Bewertung der Information vornimmt.
Noch bevor jedoch das Sehzentrum die Bewertung des Bildes abgeschlossen hat, wird ein sagen wir mal, schwarz-weiß Abklatsch des Bildes „Reh“ an die Mandelkerne geschickt.
Diese sind für die emotionale Bewertung zuständig und in diesem Falle signalisieren sie dem Pferd: ANGST – LAUF.
Blutdruck und Puls werden erhöht, die Muskelspannung wird gesteigert und die vermehrte Ausschüttung von Stresshormonen ermöglicht es dem Körper in den Fluchtmodus, zu wechseln.
Kommt der Puma von links, lauf nach rechts, und zwar schnell. Lange zu überlegen, ob das Reh vielleicht ein Puma ist und ob dieser schon zu Mittag gegessen hat, wären eventuell ein tödlicher Fehler.
Früher war “Flight or Fight” eine überlebensnotwendige Reaktion. Heute macht sie uns Reitern, bei domestizierten Pferden und Alltagssituationen, hin und wieder Probleme. Angst und die Abspeicherung von Angst ist ein komplexes Thema. „Flight or Fight“ ist jedoch eine grundelementare Reaktion und es macht Sinn sie zu verstehen.

Quelle: M. Spitzer; Lernen, S. 162; Spektrumverlag; 2002
Text/Idee/Bild: Geitner/Schmid

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Michael Geitner

Pferdetrainer
Michael Geitner (geb. 1964), mittlerweile einer bekanntesten und erfolgreichsten Pferdetrainer Deutschlands wuchs auf einer der ersten Western-Ranches in Deutschland auf. Er ist Autor diverser, erfolgreicher Pferdeliteratur und entwickelte mit “Be Strict“, Dual-Aktivierung und Equikinetic pferdegerechte Trainingsarten die dazu beitragen, die Welt der Pferde zu verbessern. 1999 startete er mit „Be Strict! "eines der besten Konzepte im Umgang und der Problemlösung mit Pferden. Michael Geitner konnte mit “Be Strict“ zahllosen Menschen helfen, ihre Pferde besser zu verstehen und den Umgang mit ihnen erleichtern. Die Geschichten seiner berühmte Pony/Zebradame Zesel, die Auflage der Cavallo 2003 wahrscheinlich um einiges steigerte, war nur ein eindrucksvolles Beispiel von der Wirksamkeit dieses Konzeptes. Be Strict war das Konzept das bis heute eine wichtige Basis im Zusammenleben zwischen Mensch und Pferd darstellt. Konsequenz gepaart mit Güte und Kulanz fordert Michael Geitner zur Wahrnehmung des Partner Pferd auf. Leicht verständlich, auf sehr unterhaltsame „ Geitner Art“ erklärt, war und ist „Be strict“ ein Meilenstein der Pferdeerziehung. Ebenfalls ein Ausrufezeichen im Pferdetraining, setzte Michael Geitner 2003 mit der Entwicklung der Dual-Aktivierung. Ein hoch effektives und erfolgreiches Zusatztraining für alle Sparten der Reiterei, um die Balance und die Koordination der Pferde zu fördern. Die Dual-Aktivierung ist weit mehr. Wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse untermauern die Effektivität der Dual-Aktivierung. Da Pferde die Welt weitestgehend in Grauschattierungen sehen, die Farbe Blau und Gelb jedoch wahrgenommen werden, machte Michael Geitner seine „Dualgassen“ in Blau und Gelb. Mittlerweile sind diese Farben zu seinem Markenzeichen geworden. Pferdeexperten aus der ganzen Welt nutzen die Dual-Aktivierung, um im Sport Ausbildung oder Freizeitbereich die Gesundheit und die Leistungen ihrer Pferde zu fördern. Michael Geitner ist Besitzertrainer für Galopprennpferde und erreicht mit ausschließlich „alten“ Pferden erstaunliche Erfolge. Alle Pferde sind heute als Lehrpferde im Einsatz und erfreuen sich bester Gesundheit. 2013 war der Startschuss der Equikinetic. Ein effizientes Muskelaufbauprogramm, das es ermöglicht, das Pferd einfach, aber sinnvoll zu gymnastizieren und effizient Muskulatur aufzubauen. Diese Art des Trainings wird ihren Weg gehen und die Welt von Mensch und Pferd erheblich erleichtern. Mittlerweile konnte Michael Geitner in ca. 450 Lehrgängen mit über 4000 Pferd-Mensch Kombinationen, vielen Pferden und Menschen auf den Weg helfen, eine neue partnerschaftliche Beziehung zu beginnen. Michael Geitner bietet auf seiner Anlage in Rechtmehring die Ausbildung zum Dual-Aktivierungstrainer, sowie die Pferde-Wissen-Kompakt Ausbildung an. Seine Ausbildungen sind praxisnah, verständlich und fundiert und überzeugen Jahr für Jahr sehr viele Menschen, einen neuen Berufsstart mit dieser Ausbildung beginnen.

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