Der Sperrriemen 2.0 Update - Michael Geitner - Be-Strict

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Der Sperrriemen 2.0 Update

By 25. Juli 2020Oktober 13th, 2020Termine

 

Der Sperrriemen 2.0 Update

Ich höre oft die landläufigen “Argumente” für die Benutzung des Sperrriemens (Kinnriemen), wie “Mein Pferd streckt sonst die Zunge raus” oder “Das Pferd sträubt sich sonst gegen die Trense”. Die Fakten, die GEGEN den Einsatz des Sperrriemens sprechen, sind folgende, dazu kurz etwas zur Historie:

Nach gründlichen Recherchen, unter anderem von Heiner Sauter (VFD) und vielen guten Pferdeleuten, kann man zum aktuellen Zeitpunkt beruhigt behaupten der Sperrriemen kam nicht aus dem Militär.

Es konnte kein einziger Nachweis dafür mit geschichtlichem Hinweis gefunden werden. Die Sache mit der Verminderung der Kieferbrüche, können wir eher dem Hannoveranerischen Zaum zu ordnen.

Ja ja, ich weiß, ich habe von 2005 an diese Geschichte nach außen getragen. Wenn es auch nicht geschichtsfest war, so hat es mit Sicherheit zig Tausende von Pferde Menschen zum Umdenken gebracht.

Und jetzt so finden wir zumindest, ist es an der Zeit ein bisschen zu korrigieren.

Irgendwann Mitte der sechziger ist er zum ersten Mal aufgetaucht.

Mitte der sechziger Jahre tauchte der Sperrriemen zum ersten Mal auf.

Der bewährte Pullerriemen, wurde zu dem heutigen Sperrriemen umfunktioniert. (siehe Foto, das ist natürlich nur zu Demonstrationszwecken oder die Konstruktion von Karl Friedrich Holleufer)

Es war in seinem Ursprung eine geniale Geschichte, der Reiter konnte nur einen bestimmten Weg mit dem Gebiss gehen und danach hat der Nasen nehmen seine Wirkung gezeigt.

Eigentlich eine geniale Idee. Auf diese Weise verschnallt, mindert es den Zug auf das Maul und der Zug/Druck eines ziehenden Zügels wird zum Teil auf die Nase umgeleitet.

Außerdem hat es die Lage des Gebisses verbessert.

Die Verschnallung des Pullerriemens auf diese Weise, verbesserte die Lage des Gebisses.

Aber warum kann er einen solchen Siegeszug in der Reiterei antreten, lange habe ich gegrübelt, aber die Lösung ist wahrscheinlich ganz einfach erstens ist der Mensch ein Herdentier und weil das alle machen kann ich ja nicht schlecht sein und zweitens Mal sind natürlich Pferde, wenn man ihnen das Maul verbietet, einfach kooperativer.

Wie war es möglich, dass der Sperrriemen, wie man ihn heute einsetzt, solch einen Siegeszug in der Reiterei hat antreten können?

Ich habe lange gegrübelt, wahrscheinlich ist die Lösung dafür aber ganz einfach.

Erstens ist der Mensch ein Herdentier und macht vieles nach, weil es alle machen. So schlecht kann es ja dann nicht sein. Zweitens sind Pferde natürlich sehr viel kooperativer, wenn man ihnen das Maul zubindet.

Ich denke aber, jetzt ist es an der Zeit wirklich flächendeckend umzudenken, die anatomischen Grundlagen eines Pferdes zu beachten denn die Gesunderhaltung unserer Lieblinge sollte unser erstes Gebot sein.

Es ist es Zeit flächendeckend umzudenken! Der Sperrriemen sollte basierend auf anatomischen Grundlagen des Pferdes betrachtet werden. Das ist wichtig für die Gesunderhaltung und das sollte, im Interesse unserer Lieblinge, doch an erster Stelle stehen

Und warum beschweren sich die Pferde nicht, weil sie keine Stimme haben sie haben nämlich keinen Schmerz laut und sind einfach nette und geduldige Wesen.

Warum beschweren sich Pferde nicht? Weil sie keinen Schmerzlaut äußern können. Zudem sind sie nette und geduldige Wesen.

Zum Nachlesen: Wie der Sperrriemen physisch Einfluss auf das Pferd nimmt.

Was der Sperrriemen ((aber)) sehr deutlich einschränkt und zum Teil auch stark behindert, ist das Abschlucken des Speichels. Wenn nämlich sein Maul zugeschnürt wird, kann das Pferd nicht mehr durch das leichte Öffnen des Mauls den Druck des Trensengebisses auf den Gaumen abmildern.

An der Stelle, an der das Trensengebiss gegen den Gaumen drückt, sitzen aber Nervenrezeptoren, die den Schluckreflex unterbinden und den Deckel des Kehlkopfes blockieren.

Dadurch entsteht das Einspeicheln des Pferdes, was also in erster Linie ein Zeichen dafür ist, dass das Pferd seinen Speichel nicht abschluckt, aber noch lange kein Hinweis darauf, dass das Pferd korrekt “durch das Genick” geht.

Das kann jeder an sich selbst ausprobieren: Wenn man mit einem Löffel an den Gaumen drückt, dann kann man seinen Speichel nicht mehr abschlucken und es entsteht zudem ein Würgereiz.

Neben vielen anderen Funktionen bildet der Speichel einen natürlichen Schutz der Magenschleimhäute des Pferdes. Wir wissen heute, dass etwa die Hälfte aller Pferde im Freizeitsport und sogar 80% der Pferde im Leistungs- und Hochleistungssport unter Magenproblemen leiden.

Denn Der Speichel erfüllt neben dem rein mechanischen Abtransport des bereits im Maul zerkauten Nahrungsbreis aus der Maulhöhle in den Magen noch eine Reihe weiterer ganz wichtiger Funktionen. Im Speichel befinden sich wichtige Mineralien, vor allem Natriumbikarbonat, das als chemischer “Puffer” eine Übersäuerung des Magens verhindert.

Fehlt nun dieser Speichel als Säurepuffer, kommt es schnell zu einer Übersäuerung des Magens. Ist die Magenschleimhaut zum Beispiel durch Stress an manchen Stellen dünner als normalerweise, führt eine Übersäuerung des Mageninhaltes an diesen Stellen zu einem Magengeschwür, da die Magensäure – übrigens fast reine Salzsäure – an diesen Stellen die “Schutzhülle” der Magenwände einfach wegfrisst. Die meisten Magengeschwüre entstehen am Übergang der kutanen Schleimhaut und der Drüsenschleimhaut.

Dieses Problem ist NICHT zu unterschätzen, da eine Erkrankung des Magens das Pferd sehr unrittig machen kann, weil es durch Anspannung der Muskulatur immer wieder versucht, den schmerzenden Magen ruhig zu stellen, damit die Magensäure nicht so viel herumschwappt. […]

Dem Pferd steht keine ausreichende Menge an Speichel zur Verfügung und der vorhandene Speichel kann nicht abgeschluckt werden. Und das gerade in der stressigsten Zeit, im Training.
Da brauchen die Pferde ihren Speichel nämlich am nötigsten.

Der nächste Punkt gegen den Einsatz des Sperrriemens ist die eingeschränkte Freiheit des Kiefergelenks. Man hat festgestellt, dass, wenn das Kiefergelenk nicht richtig arbeitet bzw. festgeklemmt oder festgehalten wird, die Muskulatur des Kiefers Bewegungsstöße des Körpers, z.B. beim Laufen, nicht mehr abfedern kann.

Zudem ist der Muskel, der dafür verantwortlich ist, M. digastricus, nicht nur mit dem Zungenbein verbunden, sondern auch mit den Kondylen, die Knochenfortsätze des Hinterhauptbeins. Ist dieser Muskel durch ein Zubinden des Maules verspannt, blockiert es das erste Kopfgelenk, das Atlantookzipitalgelenk …sowie das folgende Gelenk. Eine Kettenreaktion. Das Pferd bekommt Schwierigkeiten sich zu stellen und natürlich zu biegen. Ein lockeres Genick, ist allerdings die Grundvoraussetzung, um ein Pferd korrekt ausbilden und gesund reiten zu können.

Wenn wir also einen Dauerlauf mit zusammengebissenen Zähnen laufen würden, dann würden wir uns derart die Wirbel der Wirbelsäule prellen, dass wir am Abend nicht mehr wüssten, wie wir uns überhaupt bewegen sollen. Die Pferde müssen das tagaus, tagein erleiden, und die Praxis des Sperrriemens kann Gelenkschäden bis hinunter zu den Fesselgelenken zur Folge haben.

Man sagt daher: Das Kiefergelenk ist der erste Halswirbel. […]

Neben der Sicherstellung der Funktionsfähigkeit der Wirbelsäule ist die Kieferfreiheit zudem ganz wichtig für die Speichelproduktion, die vor allem durch die Ohrspeicheldrüse gesteuert wird.
Ein festgezogener Sperrriemen verhindert die Kieferfreiheit und das Pferd kann nicht mehr kauen.
Das ist aber eine Grundvoraussetzung, um Speichel zu produzieren und abfließen zu lassen.))

Zudem verläuft genau an dem Punkt, wo der Sperrriemen sitzt, die Austrittsstelle (For. Mentale) eines empfindlichen Nervs, dem Nervus mentales, der für die Haut, Muskulatur, Schleimhaut der Unterlippe, sowie für das Kinn zuständig ist.

Um es auf den Punkt zu bringen, formuliere ich das Problem des Sperrriemens folgendermaßen: Ich würde mir wünschen, dass die verschwendete Energie, die die Pferde aufbringen (müssen), um sich gegen den Sperrriemen zu wehren, als freie zusätzliche Energie für das zur Verfügung steht, was die Pferde leisten können.

Wenn man die für den Kampf gegen den Sperrriemen eingesetzte Konzentration im Training zusätzlich zur Verfügung hätte, um sie für das Lernverhalten des Pferdes einzusetzen, dann wäre jeder, der von dieser Energie und Konzentration Gebrauch macht, gleich um Klassen besser, als derjenige Standard, den man sich mühsam gegen den Sperrriemen erkämpft hat.

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Michael Geitner

Pferdetrainer
Michael Geitner (geb. 1964), mittlerweile einer bekanntesten und erfolgreichsten Pferdetrainer Deutschlands wuchs auf einer der ersten Western-Ranches in Deutschland auf. Er ist Autor diverser, erfolgreicher Pferdeliteratur und entwickelte mit “Be Strict“, Dual-Aktivierung und Equikinetic pferdegerechte Trainingsarten die dazu beitragen, die Welt der Pferde zu verbessern. 1999 startete er mit „Be Strict! "eines der besten Konzepte im Umgang und der Problemlösung mit Pferden. Michael Geitner konnte mit “Be Strict“ zahllosen Menschen helfen, ihre Pferde besser zu verstehen und den Umgang mit ihnen erleichtern. Die Geschichten seiner berühmte Pony/Zebradame Zesel, die Auflage der Cavallo 2003 wahrscheinlich um einiges steigerte, war nur ein eindrucksvolles Beispiel von der Wirksamkeit dieses Konzeptes. Be Strict war das Konzept das bis heute eine wichtige Basis im Zusammenleben zwischen Mensch und Pferd darstellt. Konsequenz gepaart mit Güte und Kulanz fordert Michael Geitner zur Wahrnehmung des Partner Pferd auf. Leicht verständlich, auf sehr unterhaltsame „ Geitner Art“ erklärt, war und ist „Be strict“ ein Meilenstein der Pferdeerziehung. Ebenfalls ein Ausrufezeichen im Pferdetraining, setzte Michael Geitner 2003 mit der Entwicklung der Dual-Aktivierung. Ein hoch effektives und erfolgreiches Zusatztraining für alle Sparten der Reiterei, um die Balance und die Koordination der Pferde zu fördern. Die Dual-Aktivierung ist weit mehr. Wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse untermauern die Effektivität der Dual-Aktivierung. Da Pferde die Welt weitestgehend in Grauschattierungen sehen, die Farbe Blau und Gelb jedoch wahrgenommen werden, machte Michael Geitner seine „Dualgassen“ in Blau und Gelb. Mittlerweile sind diese Farben zu seinem Markenzeichen geworden. Pferdeexperten aus der ganzen Welt nutzen die Dual-Aktivierung, um im Sport Ausbildung oder Freizeitbereich die Gesundheit und die Leistungen ihrer Pferde zu fördern. Michael Geitner ist Besitzertrainer für Galopprennpferde und erreicht mit ausschließlich „alten“ Pferden erstaunliche Erfolge. Alle Pferde sind heute als Lehrpferde im Einsatz und erfreuen sich bester Gesundheit. 2013 war der Startschuss der Equikinetic. Ein effizientes Muskelaufbauprogramm, das es ermöglicht, das Pferd einfach, aber sinnvoll zu gymnastizieren und effizient Muskulatur aufzubauen. Diese Art des Trainings wird ihren Weg gehen und die Welt von Mensch und Pferd erheblich erleichtern. Mittlerweile konnte Michael Geitner in ca. 450 Lehrgängen mit über 4000 Pferd-Mensch Kombinationen, vielen Pferden und Menschen auf den Weg helfen, eine neue partnerschaftliche Beziehung zu beginnen. Michael Geitner bietet auf seiner Anlage in Rechtmehring die Ausbildung zum Dual-Aktivierungstrainer, sowie die Pferde-Wissen-Kompakt Ausbildung an. Seine Ausbildungen sind praxisnah, verständlich und fundiert und überzeugen Jahr für Jahr sehr viele Menschen, einen neuen Berufsstart mit dieser Ausbildung beginnen.

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